Kabbala- Tarot - Numerologie

Uwe Hartmann • 11. Juni 2026


Gibt es Schnittmengen zwischen der klassischen Kabbala, dem Tarot und der Numerologie? Ja, die gibt es.

Doch nicht so große Schnittmengen, wie manche Autorinnen oder Autoren gerne sehen möchten. Auch hier ist es von Vorteil, die zeitlichen Zusammenhänge näher zu betrachten. 

Die Kabbala zieht seit 2.000 v. Chr. immer mehr Menschen in ihren Bann. Das Tarot ist eine rein europäische "Erfindung", welche ihren Beginn ca. 1.300 n. Chr. in Italien hatte. Die Numerologie, die Zahlen als Orakel zu begreifen, gibt es ebenfalls seit 2.000 v. Chr..

Nun könnte man annehmen, dass sich die Traditionen der Kabbala und der Numerologie gegenseitig befruchtet und bereichert haben. Diese Annahme wäre berechtigt, wenn es einen kontinuierlichen Fluss beider "Wissensgebiete" gegeben hätte, welcher im Idealfall auch noch parallel verlaufen wäre. Doch beides ist nicht der Fall.

Die Kabbala ist im Wesentlichen eine Interpretation erster Schriften, welche im althebräischen Wortschatz, oft in einer blumigen Sprache, von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Doch eben nicht in der Öffentlichkeit, da es in der Öffentlichkeit keinen Platz für die Gedanken der Kabbalisten gegeben hat. Ein Gott blieb ein Gott, so wie es richtig ist. 

Die Ägypter, die viele Götter ihr eigen nennen, sollten mit ihren Ideen in Ägypten bleiben. Nicht umsonst ist man von dort fortgegangen, dem einzigen Gott folgend, den es wirklich gibt.

Die Kabbalisten sahen und sehen es nicht anders als die Öffentlichkeit. Doch es stellen sich Fragen, die seit jeher unbeantwortet geblieben sind. Und das macht den Unterschied vom gläubigen Israeli zu einem gläubigen Kabbalisten. Der Kabbalist ist sich bewusst, dass es eine Schöpfungskraft gibt und stellt dennoch Fragen zur Erschaffung des Universums. Der Gläubige nimmt das Universum hin und lebt darin.

Beide sind Israeli, beide wissen um ihren Gott.

Wie kommt der Numerologe in diese Situation? Schrift und Zahl sind bis um tausend Jahre nach Christi Geburt ein und dasselbe. Zumindest sind sie das in den Kulturen mit einem ausgeprägten Schriftgebrauch. Ein Buchstabe ist auch eine Zahl, welche im wesentlichen Mengen ausdrückt, die nicht besonders hoch sind. Die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets, Sie wissen es, sind den Zahlen 1 bis 400 zugeordnet.

Die babylonische Bruchrechnung, der Kreis für die exakte Berechnung der Zeit, diese "andere Art" von Zahl hat mit den Buchstabenzahlen von 1 bis 400 nicht viel zu tun. Es sind und bleiben zwei Welten, welche sich im "Zeitdenken" berühren. Sonst berührt die erste Minute einer Stunde nicht die Eins in der hebräischen Zahlenwelt. Die erste Minute von einer Stunde ist 1/60 von der absoluten Grenze 60. Die erste Minute ist eins von 60 Stück Zeit.

Die 1 der Kabbalisten ist Kether (Sephiroth 1) und hat eine tiefgreifende Bedeutung, welche Bücher füllt. 

Das Tarot ist erstaunlicherweise eine späte Erscheinung, welche von einem Kartenspiel zum wirkmächtigen Orakel gewachsen ist. Diese Art der Entwicklung ist an sich einzigartig und für sich genommen schon bemerkenswert. Warum?

Das Tarot brauchte vom 1.300 Jhr. n. Chr. bis zum 18. Jahrhundert eine Struktur, welche sich scheinbar von alleine entwickelte. Die große und kleine Arkana wurden von Wissenden entwickelt, die in dem Tarot eine Alternative zur Astrologie gesehen haben. Bilder, verknüpft mit Zahlen und okkulten Zeichen, wurden zum neuen Medium erkoren. Crowley und Lady Harris sind demnach nicht die wirklichen Erfinder, allerdings sind beide die Erschaffenden des genialsten Tarot Decks aller Zeiten. Beide haben es geschafft, die Kabbala, die Numerologie und das Tarot auf eine Ebene zu heben.