Praktische Kabbala
Praxis ist immer Wagnis
"Theoretisch müsste alles gut gehen".
Der Lehrling nutzt die Macht der Magie, ohne die volle Kontrolle oder das Wissen über die Konsequenzen zu besitzen. Als die verzauberten Besen unaufhaltsam Wasser schöpfen, gerät die Situation außer Kontrolle – ein Sinnbild für menschliche Überheblichkeit und den Missbrauch von Wissen. Erst das Eingreifen des Meisters stellt die Ordnung wieder her und verdeutlicht die Notwendigkeit von Erfahrung und Weisheit gegenüber bloßer Macht.
Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“ (1797)
Meister
Braucht es einen Meister, wenn es Baumärkte gibt? Der "Baumarkt" des Kabbalisten ist der Buchhandel und immer mehr das Internet mit seinem scheinbar unendlichen Wissen um die Dinge.
Wo ist heute ein Meister zu finden? Nicht im Baumarkt, soviel ist auf jeden Fall sicher!
Wie sollte ein Meister der geheimen Künste heute aussehen? Er trägt sicher weder Hut noch Rauschebart.
Braucht es einen Meister, um praktisch arbeiten zu können? Ja, allerdings nicht immer.
"Das Schweißen und das Singen kann man nicht erzwingen" ist ein Spruch aus der Schmiede. Metalle mittels einer Schweißmaschine zu verbinden braucht viel Übung, aber auch das nötige "Händchen" dazu. Ein Meister kann in der Regel nur zuschauen und Ratschläge geben. Die grundsätzliche Haltung, die notwendige Vorbereitung und die richtige Durchführung einer Arbeit wird vom Lehrling selbst erwartet, wenn er sein Gesellenstück fertigt.
Meister der Praxis
Noch ein Spruch aus der Praxis: "Handwerker sind keine Kopfwerker". Hört sich etwas hart an, ist allerdings meist so.
Der Meister ist der Kopfwerker unter den Handwerkern. Ein Meister wird nicht unbedingt erzählen, wie oft er sich die Finger verbrannt oder auf dieselben mit dem Hammer geschlagen hat. Der Meister hat seine Lektionen gelernt, so oder so.
Wenn der Lehrling oder der Geselle die Narben des Meisters wahrnimmt und die richtigen Schlüsse für seine Hände zieht, dann hat der Meister seinen Mitstreitern schon eine Menge Schmerzen erspart.
Die Schmiede ist der Urgrund der Alchemie, die Schmiede ist seit 6.000 Jahren ein heiliger Ort. Wer sich unsere Herkunft bewusst macht, wird die Unwichtigkeit begreifen, die wir ohne unsere Werkzeuge und Waffen haben. Wir sind nichts ohne das Wissen Einzelner, die die Menschheit schon immer vorangebracht haben.
Vor dem universellen Prinzip der Schöpfung, der Allmacht, welche alles erschaffen hat, braucht es Demut. Es ist die Demut vor dem Erschaffenden, welche wir brauchen, um einen Gesellen zum Meister zu wandeln.

