Theorie ist Wissen ohne Handeln

Zu wissen, wie ein Nagel in ein Brett geschlagen werden muss, ist gut. Doch wenn man dann den Daumen mit dem Hammer trifft und nicht den Nagel, dann ist das nicht gut.

Die Theorie ist aller Anfang

Ist denn die Theorie wichtig? Ja.

Die Thora, die Kommentare, den Sohar, die Kommentare zum Sohar, das Jezira, die Kommentare zum Jezira, all das soll man lesen? Eigentlich schon. Doch wann sollte man anfangen mit dem Studium der Kabbala? Eigentlich erst ab dem Beginn des sechzigsten Lebensjahres.

Ein Leben würde nicht reichen, alle Bücher der Kabbala zu studieren. Mit sechzig zu beginnen, würde ja bedeuten, dass man es nie schaffen kann, alle Werke der Kabbala zu lesen. Ein Paradoxem, so wie vieles im Leben.

Sicher soll man so viel studieren, wie man kann.

Die Wege zur Erkenntnis gleichen einer Wanderung zu einem sehr hohen Berg.  Unten im dichten Wald sieht man nur den Wald, etwas höher werden die Bäume kleiner, das Gras karger. Noch höher gibt es nur Moos, etwas Gras und viel Steine. Wer sich auf dieser Höhe umschaut, sieht die vielen Wege und Möglichkeiten, in diese Höhe zu gelangen. Der Ausblick zeigt, dass alle Wege ähnliche Hindernisse aufweisen, jeder Weg nach oben schwierig ist. Wer jemals ganz oben ankommt, wird nicht wiederkommen. Warum auch.

Theorie leben

Wissen wird uns heute überall hinterhergetragen. Man braucht nur zuzuhören, zu schauen oder einen Beitrag in diesen Sonntagsblättchen zu lesen.

"Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts". So heißt es. Und so ist es. Nur wer versteht, in welches Dilemma wir hineingeboren wurden, kann sich aus den Zwängen der Erwartungen und Vorstellungen befreien. Nur wer versteht, wie wir im Leben festgebunden sind, kann einige Knoten lösen. Nur wer das Wissen für seine eigene Befreiung sucht, findet letztendlich einen Weg für sich und seine selbstbestimmte Entwicklung.

Der große Tisch in der Küche war und ist der beste Platz, um Wissen zu erhaschen. Die Erzählungen aus verschiedenen Generationen, die kleinen Geschichten von Missgeschicken und die großen Träume bergen das Wissen um unser Universum in sich. Ob Karl wieder aus der alten Zeit erzählt oder nur das Radio läuft, die Küche ist ein guter Ort.

Selbstverständlich ist die Bibliothek viel besser. Noch besser ist es, viele Bücher zu besitzen. Aber das ist zuerst nicht wichtig, wichtig ist, den Hunger nach Wissen zu verspüren und dann finden sich auch die Möglichkeiten zu "speisen".

Verstand versus Imagination

Die Vorstellungskraft (Imagination) ist die Fähigkeit unseres Geistes, sich etwas vorzustellen, obwohl man es noch nicht mit seinen eigenen Sinnen erfasst hat. Wissenschaftler (Neurologen) sprechen in diesem Zusammenhang von der Plastizität unseres Gehirns.

Ein Beispiel: Es gibt ein regionales Gericht, dass heißt "Kirschpfanne". Das sagt zuerst nicht viel. Es geht um Kirschen und eine Pfanne. Wer allerdings das Rezept liest, wird schnell eine Vorahnung davon haben, wie eine süße Eierspeise mit frischen, reifen Kirschen schmecken wird. Dieser Vorstellung kann man sich dann nicht so einfach entziehen.

Wir sind mehr als unser Verstand, wir sind mehr als wir denken.